Der alte Pfarrhof und der Schriftverkehr des Pfarrers mit Salzburg 1818
Einige Geschichten ranken sich um dieses alte Haus. Ganz sicher ist, dass es am Anfang des 19. Jahrhunderts in einem sehr schlechten Zustand war, denn es gibt einen Schriftverkehr zwischen dem Unkener Pfarrer Rupert Lintschinger und dem Erzbischöflichen Konsistorium, dem eigentlich nichts mehr hinzuzufügen ist:
Hochwürdigstes erzbischöfliches Konsistorium!
Die Herstellung einer besseren Pfarrers Wohnung zu Unken war ein schon lang gefühltes Bedürfniß, und eine von allen Behörden, und von allen jenen Personen, welche dieses hiesige Pfarrhaus gesehen, oder eine Beschreibung davon gelesen haben, anerkannte unverschiebliche Nothwendigkeit. Schon seit Jahren wird über die Erbauung eines neuen Pfarrhauses geschrieben, berichtet und projectiert, während dem das alte, dem gänzlichen Einsturze immer näher gebracht, Tod und Verderben den Bewohnern und ihren Habseligkeiten alle Augenblicke droht. Länger ist es nicht mehr auszuhalten, werden nicht diesen Herbst noch Reparaturen an Öfen, Mauer, Böden und Dachung ......, so ist der Pfarrer gezwungen, das Haus auf den kommenden Winter zu verlassen und wie ein Abgebrannter bey mitleidigen Nachbarn um Obdach zu betteln. Ohnehin haben die Bewohner dieses Hauses schon Nachtheile und Schaden an Gesundheit, Mobilien und Viktualien gelitten, denn es gibt im ganzen Haus keinen Platz, wo nicht alles verschimmelt und verstaubt.
Der Unterzeichnete glaubt daher gegen diese unglaubliche Vernachläßigung des Pfarrhauses dahin mit allem Nachdrucke sich äussern und alle Mittel ergreifen zu müssen, diesem elenden Zustande einmal ein Ende zu machen. Ich habe schon in dieser Absicht protokoll an die k.k. Staatsgüter Administration als auch an das löbl. k.k. ......amt in Salzburg in dringendsten Vorstellungen gemacht aber noch immer ist dem Unheil nicht im mindesten abgeholfen, nicht einmal eine Hoffnung mit einem Worte gegeben worden. In diesem nunmehr unleidentlichen Zustande wende ich mich vertrauensvoll an die hohe geistliche Stelle, welcher es doch auch nicht gleichgültig seyn kann, ob ein Seelsorger, ich will nicht sagen, eine standesmäßige, sondern eine menschliche Wohnung habe um darin seinen Berufsgeschäften ungehindert nachleben zu können, oder in einem Viehstalle ......:denn wirklich gibt es hier schönere und gesündere Viehställe als das Pfarrhaus zur ebenen Erde ist und darin ...... oder erschlagen werde. Ich bitte daher ein Hochwürdiges Erzbischöfl. Consistorium unterthänigst um hochgnädige und nachdrückliche Einwirkung bey Behörde, damit doch das alte Pfarrhaus für den kommenden Winter nothdürftig repariert und bewohnbar hergestellt werden, da die Herstellung eines neuen Hauses keineswegs abgewartet werden kann.
Es empfiehlt sich zu Huld und Gnade eines hochwürdigst erzbischöfl. Consistoriums unterthänigst gehorsamster Rupert Lintschinger, Pfarrer
Es hat noch eine ganze Weile gedauert, bis schließlich 1834 ein neuer Pfarrhof geplant wurde, den wir heute den alten nennen und den wir auf diesem Bild sehen. Eine riesige Holzleg (Holzhütte) hat dazu gehört und das Brennholz für Pfarrhof und Mesnerhaus, 93 RM für ein ganzes Jahr, das „Schul- und Geistlichkeitsholz“, hatte das Bayerische Saalforstamt zu liefern. So der alte Vertrag. Jeden Sonntag wurde während des Hauptgottesdienstes für die Arbeiter in den Saalforsten gebetet. Einen ähnlichen Brief hätte der Pfarrer gut 100 Jahre später schon wieder schreiben können. Jedenfalls wurde nach dem Abriss des damals so ersehnten Neubaus im Jahre 1971 / 72der neue Pfarrhof erbaut, der heute hier steht, mit Pfarrsaal / Dorfkulturzentrum und Kindergarten. Der neue Pfarrhof hat jetzt eine Heizung, keine Holzleg mehr und es wird auch nicht mehr für die Arbeiter in den Saalforsten gebetet.
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